Lagerfeuer mit Handbogenbohrer …wie man auf Freundeslisten ganz schnell absteigt…

Mein Wachse-über-dich-selbst-hinaus-Projekt für diesen Herbst war ein Lagerfeuer, AAAABER das wäre ja noch „leicht“… nein: Mach das Lagerfeuer ohne Feuerzeug und Streichholz – das war die Aufgabenstellung von 4U – Alpenvereinsjugend für einen Artikel im Familienheft – danke Thimo, was du mir alles zutraust! Für 4U gab es natürlich die geschönte und getunede Light-Version – hier die nackte Wahrheit, meine sozialen Abgründe und Einblicke hinter die Kulissen.

 

Abgabe für den Artikel war ein Dienstag, da ist man am Sonntag davor eigentlich schon recht gewungen, die Bilder in den Kasten zu bringen und vor allem das Schönwetter-Fenster auszunutzen. Da kommt (sonst eigentlich immer gern gesehener) Überraschungsbesuch, wie soll ich sagen, etwas ungelegen. Naja, man ist ja (noch) nicht unhöflich, der Besuch darf rein – frau kriegt das Lagerfeuer schon alleine gebacken. Naja, dann hat das ganze Unterfangen nicht beim ersten Mal geklappt – das wäre ja noch nicht so schlimm (ok, ich war schon ein ganz klein wenig angespannt), kommt der Besuch mit äußerst weisen Ratschlägen daher und zückt auch noch die Kamera um mit zu filmen – genau, „Uli macht ein Lagerfeuer: ohne Feuerzeug und Streichholz und ohne Nerven“ nominiert für drei Oskars in den Kategorien „beste austickende Hauptdarstellerin“, „beste (noch immer nicht brennende) Filmkulisse“ und „beste Auswahl an Schimpfwörtern“.

 

Um euch zu beruhigen, ich habe keinen der Anwesenden mit den Teilen verletzt, die ich auf sie geworfen habe … also nicht ernsthaft … aber nun gut, lassen wir es brennen:

 

Man braucht für ein Lagerfeuer mit Handbogenbohrer:

  • eine geeignete Stelle, an der er es erlaubt ist, ein Feuer zu machen
  • große Steine für die Begrenzung des Lagerfeuers
  • trockene Äste und Holz
  • Zunder (das sind getrocknete Pflanzenreste oder Heu/Stroh)
  • größeren Stein oder ein schweres Stück Holz (das brauchen wir um Druck auf den Handbogenbohrer auszuüben)
  • einen armlangen, gebogenen Ast – das wird der Griff für den Bohrer
  • Holzstock, Ast
  • Schnur, Seil oder Schnürsenkel
  • Stück Holz (Holzscheibe) für den Unterboden des Bohrers
  • Taschenmesser
  • Stück Rinde

 

So geht’s:

Wenn man den richtigen und vor allem erlaubten Platz – am besten dafür vorgesehen Grillplätze am Fluss oder Bach, aber auf keinen Fall im Wald oder auf (trockenen) Wiesen – für dein Lagerfeuer gefunden hat, kannst man gleich mit dem Sammeln der benötigten Materialien anfangen. Ich hab’s bei uns im Kräuterbeet gemacht wegen Schadensbegrenzung und so.

 

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Als erstes baut ihr euch eine Begrenzung aus großen Steinen und legt ein Zundernest. Das trockene Holz legt ihr inzwischen zur Seite, das brauchen wir dann später.

 

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So, nun bauen wir den Handbogenbohrer: dafür bindet ihr die Schnur (Seil oder Schnürsenkel) so fest wie möglich an den beiden Enden des armlangen, gebogenen Astes fest – dass die Schnur nicht abrutscht, ritzt vorsichtig Kerben in das Holz, dann ist alles super fixiert. Jetzt ist die Handwerkshürde überwunden – der Bohrer ist fertig.

 

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Jetzt nehmt ihr die Holzscheibe und ritzt mit dem Taschenmesser eine V-förmige Auskerbung in die Scheibe. Danach ein bisschen Zunder möglichst nah an diese Einkerbung legen, weil hier werden dann die Flammen erzeugt.

 

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Stülpt nun die Bogenschnur um den Holzstock oder Ast – er sollte recht mittig im Bogen platziert sein, dass man ihn gut vor und zurück bewegen kann.

 

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Jetzt geht der spannende Teil los: steckt den Holzstock in die V-förmige Auskerbung der Holzscheibe und haltet auf das obere Ende den größeren Stein oder das schwere Holzstück. Der Bogen muss nun schnell nach vor und wieder zurück bewegt werden, das kann ein bisschen dauern.

 

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Durch diese Bewegung dreht sich der Holzstock und die Holzscheibe wird heiß. Der Zunder fängt dann an zu glühen.

 

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Gebt nun die Glut in das vorbereitete Zundernest – am besten nehmt dazu ein größeres Stück Rinde.

 

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Vorsichtig in das glühende Nest blasen und immer größere Holzstücke nachlegen.

 

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Hubert sang einst „Brennen tuat’s guat“ und ich sing „Burn motherfucker, burn!“

 

P.S.: Lieber J, ich weiß, ich bin auf deiner Freundschaftsliste ein, zwei Plätzchen nach unten gerutscht, aber wenn du das Video jemandem zeigst, bring ich dich trotzdem um ;-)

4 Kommentare:

  1. Oh wie gerne würde ich dieses ominöse Video sehen :-D
    Ich werde wohl niemals versuchen ein Lagerfeuer auf diese Weise zu machen, aber ich bin froh zu erfahren dass es im Zweifelsfall tatsächlich funktionieren würde. Gibt einem ein Gefühl von Sicherheit bei einsamen Wanderungen im Nirgendwo ;-)

    • Oh nein, das Video gibt es sicher, sicher nicht ;-) Falls ich dir einen Tipp geben darf bezüglich Überleben in der Wildnis: Vergiß nie, wirklich nie das verdammte Feuerzeug ;-)

  2. Liebe Uli! Sehr cooler Blog! Hättest mir a früher sagen können, dass i mal reinlesen soll 😜! Na ja, besser spät als nie. Du hast ne treue Leserin mehr!!!!

    P.S. Wen muss i bestechen um das Video zu sehen?

    • Na geh, gut Ding braucht Weile ;-) aber danke – Und du musst keinen bestechen – schlimmer als „unser“ Video ist es nämlich nicht ;-)

      Lg Uli

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